Ergebnisse der Erstwählerkampagne 2014

Ihr habt gewählt!

Foto: Ry. Schmitt, 51443049, Fotolia.com

Die 16-17 jährigen Erstwählerinnen und Erstwähler waren bei der Wahl gut dabei. Sie haben eifriger gewählt als die 18-25 Jährigen.

In der ersten Gruppe lag die Beteiligungsquote bei gut 40 Prozent, bei den Älteren war sie mit rund 30 Prozent deutlich geringer.

"Die gezielte Werbung des Landes, des Landtags und der Kommunalen Landesverbände für die Kommunalwahl bei den Erstwähler[*innen] hat bei den 16- bis 17-Jährigen offenbar besonders gefruchtet", heißt es von Städtetagsdezernent Norbert Brugger. Der Verband hatte Angaben von 14 Städten mit 44.000 bis 600.000 Einwohnern ausgewertet. Allerdings machte der Städtetag darauf aufmerksam, dass auch die Beteiligung der jungen Erstwählerinnen und Erstwähler unter der allgemeinen Quote von 42,8 Prozent in den befragten Städten lag; Ausnahmen waren Freiburg und Esslingen.

Am höchsten war die Wahlbeteiligung nach der nicht-repräsentativen Erhebung der 16- und 17-Jährigen am 25. Mai dieses Jahres in Freiburg mit 58 Prozent, gefolgt von Esslingen (53,8). In der Landeshauptstadt gingen 41 Prozent der 16- und 17-Jährigen zur Wahl, in den älteren Gruppen waren es nur 35 Prozent. In Karlsruhe ergab sich eine Wahlbeteiligung von 41,4 Prozent bei den ganz Jungen und von 1,5 Prozentpunkten weniger bei den älteren Erstwähler*innen.

Gemeinderatswahlen am 25.05.2014 - Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen und Vergleich mit anderen Gruppen


Vorbemerkung: Die Wahlbeteiligungsquoten der Altersgruppen „16- und 17-Jährige“ sowie „18- bis ca. 25-Jährige“ liegen – wie in der Spalte „Basis“ ausgewiesen - auf Auswertung der Wählerverzeichnisse entweder nur für die Urnenwahlen (U) oder für die Urnenwahlen und Briefwahlen (G) vor. Erfahrungsgemäß nehmen nicht alle Wahlberechtigten, die Wahlscheine beantragt haben (Stimmabgabevermerk „W“ in den Wählerverzeichnissen), letztlich auch an der Wahl teil.

Wichtig ist demnach, dass man nur die Ergebnisse von Bruchsal, Esslingen, Freiburg i.Br., Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Ludwigsburg, Pforzheim, Sindelfingen und Stuttgart in Relation setzen kann, weil hier ein Gesamtergebnis (G) vorliegt. Bei den Zahlen von Heilbronn, Mannheim, Reutlingen und Ulm an der Donau in den Spalten „16- und 17-Jährige“ sowie „18- bis ca. 25-Jährige“ handelt es sich nur um Ergebnisse auf Basis der Urnenwahlen (U), also ohne Briefwahlbeteiligung. Sie geben damit nicht die Gesamtwahlbeteiligung in diesen vier Städten wieder.

StadtBasisWahlbeteiligungsquoten
16-und 17-Jährige18-bis ca. 25-JährigeInsgesamt(1)
Bruchsaal G39,733,846,6
Esslingen a.N.G53,8--46,2
Freiburg im Br.G58,0--51,4
HeidelbergG40,5--50,7
HeilbronnU36,422,139,2
KarlsruheG41,440,047,5

Konstanz

G41,742,0(2)47,5
LudwigsburgG38,833,044,8
MannheimU26,122,138,7
PforzheimG31,623,837,4
ReutlingenU28,522,2(3)38,9
SindelfingenG38,933,944,4
StuttgartG41,035,0/33,8(4)46,6
Ulm an der DonauU52,426,046,4

(1) Bei den Werten in der Spalte „Insgesamt“ handelt es sich generell um die stadtweiten Wahlbeteiligungsquoten auf Basis aller Wählerinnen und Wähler (Urnenwahl und Briefwahl)
(2) 18- bis 30-Jährige
(3) Nur 18- bis 23-Jährige (Erstwählerinnen und Erstwähler)
(4) 18 – 21 Jahre 35,0 Prozent, 21 – 25 Jahre 33,8 Prozent

Quelle: Städterückmeldungen auf Städtetagsrundschreiben R 24249/2014 vom 21.05.2014.
Stand: 14. Juli 2014

In der durch den Städtetag erbetenen Wahlstatistik zur Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen und Vergleich mit anderen Gruppen bei den Gemeinderatswahlen liegen unter anderem auch die Ergebnisse von Stuttgart, Esslingen a. N. und Freiburg im Br. vor. Es zeigt sich dabei, dass die Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen in Esslingen a. N. mit 53,8 % und Freiburg mit 58,0 % außerordentlich hoch ist und sogar über der jeweiligen Gesamtwahlbeteiligung in beiden Städten liegt. In Stuttgart liegen die 16- und 17-Jährigen mit 41,0 % ca. 5 % unter der Gesamtwahlbeteiligung von 46,6%, aber wesentlich höher als die 18- bis 25-jährigen Wahlberechtigten.

Die Ergebnisse lassen den Trend erkennen, dass durch die vielen Aktivitäten des Bündnisses „Wählen ab 16“ sowie durch gut funktionierende lokale Bündnisse in den drei Kommunen die Thematik der jugendlichen Zielgruppe näher gebracht wurde.

Fazit

Die Wahlbeteiligungsquote lag bei den 16- und 17-jährigen Wahlberechtigten in den meisten Städten deutlich über jener bei den 18- bis 23-jährigen Wahlberechtigten bzw. bei den 18- bis 25-jährigen Wahlberechtigten. (Wegen der Absenkung des Wahlalters für das aktive Wahlrecht von 18 Jahre auf 16 Jahre zu den Kommunalwahlen 2014 gab es bei den Gemeinderatswahlen am 25.05.2014 nicht nur die üblichen fünf Erstwählerjahrgänge, sondern sieben Erstwählerjahrgänge.)

Die Wahlbeteiligungsquote der 16- und 17-jährigen Wahlberechtigten blieb unterhalb der Wahlbeteiligungsquote aller Wahlberechtigten. Der Grund hierfür ist in der traditionell größeren Wahlbeteiligung der höheren Altersgruppen zu suchen; deren Wählerschaft hat die Gesamtwahlbeteiligungsquote nach oben gezogen.

Bei der Verwendung dieser Zahlen ist zu bedenken, dass es sich nur um Näherungswerte handelt und die Wahlbeteiligung in größeren Städten tendenziell geringer ausfällt als in kleineren Kommunen. Letzteres zeigt sich auch am Vergleich der Gesamtwahlbeteiligungsquote in jenen 14 Städten, die die repräsentative Wahlstatistik vorgenommen haben, zur Gesamtwahlbeteiligungsquote im ganzen Land (49,1 Prozent). Landesweit haben sich durchschnittlich daher sicher auch etwas mehr 16- bis 25-Jährige an den Gemeinderatswahlen beteiligt als in jenen großen Städten, auf deren repräsentativen Wahlstatistiken diese Erhebung gründet.

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Bilanz Kampagne "Wählen ab 16"

Das im Vorfeld der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Baden-Württemberg gebildete Bündnis „Wählen ab 16“ hat unter Federführung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) und des Landesjugendrings Baden-Württemberg e.V. (Ljr) in enger Zusammenarbeit mit der Baden-Württemberg Stiftung und verschiedenen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen eine landesweite Erstwählerkampagne zur Wahlaltersabsenkung vom Januar bis Mai 2014 durchgeführt.

Die Erstwählerkampagne vernetzte erfolgreich gesellschaftliche und politische Gruppierungen mit Vertreter*innen der Verwaltung und der Kommunen und dient auch nachhaltig als Anstoß für weiterführende kommunale Aktivitäten. Mit begrenzten Mitteln konnte viel bewegt und zahlreiche Jugendliche erreicht werden. Zudem ist es gelungen viele Multiplikator*innen zu qualifizieren, die auch weiterhin eingesetzt werden können.


Organisation:

Das Ziel war es, die Jugendlichen zu informieren und zu motivieren sowie die Eigenaktivität vor Ort zu stärken. Eine wichtige Grundlage war dabei die Absprache zwischen Kommunen, Schulen, außerschulischen Bildungsträgern und den Jugendringen und –verbänden, um die jungen Erstwählerinnen und Erstwähler zur Beteiligung zu bewegen. Durch diese Absprache konnten außerdem Themen mit Lebensweltbezug für die jungen Menschen vor Ort aufgegriffen werden, so dass eine nachhaltige Förderung des politischen Engagements junger Menschen ermöglicht werden kann.

Nach dem Landtagsbeschluss vom 19.12.2013 zur Finanzierung dieser Kampagne blieben für deren Planung, Organisation und Durchführung nur fünf Monate Zeit. Die LpB und der Ljr bewerten als federführende Institutionen des Bündnisses „Wählen ab 16“ die durchgeführte Kampagne trotz des engen Zeitrahmens durchaus positiv.


Multiplikator*innen:

Im Rahmen dieser Erstwählerkampagne wurden unter anderem 130 junge Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Schulungen qualifiziert, die in den vier Regierungsbezirken Aktionstage und Veranstaltungen zielgruppengerecht durchgeführt haben. In über 250 Veranstaltungen, darunter 135 an Schulen, haben somit spielerische Lernangebote, Planspiele, Lernzirkel, Workshops, Großgruppen-methoden, Infostände, Testwahlen sowie Diskussionsformate mit Kandidierenden und eigene Ideen der Kommunen oder Schulen stattgefunden.


Materialien:

Insgesamt wurde eine Vielzahl verschiedener Unterrichts- und Arbeitsmaterialien sowie Argumentationshilfen für Multiplikatoren erstellt, die während der Kampagne bestellt bzw. verteilt wurden. Es wurden dabei über 380.000 Publikationen ausgeliefert. Dazu kamen Werbemittel in Form von Postkarten, Swing-Cards und Aufklebern mit einer Gesamtauflage von 260.000. Die Absenkung des Wahlalters hat zu einem sehr großen Bedarf an motivierenden und informierenden Materialien für die Zielgruppe der Erstwählerinnen und Erstwählern in vielen Kommunen und Schulen geführt. Das wird deutlich an der eindrucksvollen Gesamtzahl von 640.000 verteilten Druckerzeugnissen.


Onlineangebote:

Als weiterer Erfolg sind die Onlineangebote des Bündnisses „Wählen ab 16“ zu werten. Die Website www.waehlenab16-bw.de kam im Mai auf 18.500 User*innen und auf über 74.000 Zugriffe, fast 1.000 Seiten hatten auf das Angebot verlinkt, darunter 320 Kommunen und 14 Landkreise.

Mit Facebook (www.facebook.com/erstewahl.lpb) wurde vor allem die Zielgruppe im Alter zwischen 13 und 24 Jahren erreicht. Die Beitragsreichweite aller Posts lag vom 1. März bis zur Wahl bei 288.700 User*innen. Insbesondere in den letzten 30 Tagen vor der Wahl kam es zu einer hohen Beitragsreichweite durch die Veröffentlichung der Posts der Videos zur Kampagne. So konnten 130.000 User durch 17 Videos erreicht werden (Ø 7.600 User/Video). Bis zur Wahl erreichte die Facebookseite über 1.800 Fans.

Der YouTube-Kanal (www.youtube.com/user/waehlenab16) des Bündnisses kam auf über 42.000 Aufrufe, davon knapp 21.000 Aufrufe zur Talking-Heads Reihe, über 13.000 Aufrufe zum Erklär-Film mit Wahlcomic und über 7.000 Aufrufe für den Hauptspot „MEET YOU THERE“. Dieser war auch in Kinos sowie an den Informationsscreens der Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs in Stuttgart zu sehen. Auf dem Kanal wurden auch die Wahlwerbespots der Projektpartner aufgemommen.

In Zusammenarbeit mit der Baden-Württemberg Stiftung war die zwischen dem 8. bis 25. Mai 2014 online angebotene Wahlsimulation ein großer Erfolg: 12.000 Besuche und 78.000 Seitenaufrufe, außerdem hatten insgesamt 276 Seiten auf das Angebot verlinkt.


Lokale Bündnisse:

In einzelnen Kommunen bzw. Landkreisen gab es lokale Bündnisse und spezielle Aktionen für die Erstwählerinnen und Erstwähler. Das Bündnis in Stuttgart, bestehend aus der Landeshauptstadt, der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft (stjg), dem Stadtjugendring (SJR), den Stuttgarter Schulen, dem Internationalen Bund (IB), der Landeszentrale für Politische Bildung (LpB) und den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Fritz Kuhn führte die Kampagne mit großem Engagement durch. So fuhr ein Demokratiebus mit geschulten Wahllotsen Stuttgarter Schulen an, um die Schülerinnen und Schüler gezielt über das neue Wahlrecht sowie Kommunalpolitik allgemein zu informieren und sie spielerisch zu motivieren zur Wahl zu gehen.

In Freiburg im Br. wurde ein lokales Bündnis mit der Kampagne "Wählen 16+" vom Jugendbüro Freiburg im Jugendbildungswerk getragen. Neben vielfältigen Aktivitäten wie eigener Website, Facebook-Seite, Video und selbst entwickeltem Logo sowie Durchführung eines Aktionstages fanden viele Kooperationen mit aktiven Partnern vor Ort statt (Theater Freiburg, Jugendclub des SC Freiburg, Ring politischer Jugend, LpB, etc.). Außerdem wurden über 40 Klassen an Freiburger Schulen verschiedener Schulart besucht, so dass über 1.000 Jugendliche angesprochen wurden.

Im Landkreis Esslingen wurden durch ein Bündnis bestehend aus Landkreis, Kreisjugendring und der LpB sehr viele Veranstaltungen durchgeführt. Auch hier fuhr ein Aktionsbus zu „Wählen ab 16“ an viele Schulen, um auf das geänderte Wahlrecht aufmerksam zu machen und zu informieren. Außerschulische Plätze im Landkreis gehörten ebenfalls zu dieser Tour.

PM: Schlussbilanz der Erstwählerkampagne „Wählen ab 16“ zu den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014

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Abschlussbericht

Abschluccbericht Erswählerkampagne

Erstwählerkampagne „Wählen ab 16“ zur Kommunalwahl in Baden-Württemberg am 25. Mai 2014

Die Erstwählerkampagne war ein Erfolg, denn sie vernetzte staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen und Organisationen, trug zur Anregung lokaler Bündnisse bei und dient so nachhaltig als Anstoß für weiterführende kommunale Aktivitäten.

Im Rahmen der Kampagne sollten möglichst viele Erst- und Jungwähler*innen über ihr Wahlrecht und die Grundlagen der Kommunalpolitik informiert und motiviert werden, dieses Wahlrecht auch auszuüben. Durch die Verknüpfung von schulischen und außerschulischen Bildungsträgern auf der kommunalen Ebene sollte neben der Flächenwirkung auch eine möglichst große Nachhaltigkeit bei der Vermittlung politischer Kompetenz und der Stärkung der Eigenaktivität vor Ort erreicht werden.

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Abschlussbericht

 

Erstwählerkampagne „Wählen ab 16“ zur Kommunalwahl in Baden-Württemberg am 25. Mai 2014
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Studie 2018

 

Studie: Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in BW 2018

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